Eine maßvolle Wirtschaftsweise in der Ökonomie ist für Aristoteles Grundlage eines guten Lebens und einer stabilen Gemeinschaft. Hierzu dient auch der Tausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Bauern, Handwerkern und Kaufleuten. Für diesen Tauschverkehr bedarf es des Geldes, das die Funktion der Wertaufbewahrung, des Zahlungsmittels und des Maßstabes für den Wert von Gütern hat. In dieser Verwendung ist Geld ein Mittel für die Güterversorgung der Gemeinschaft und dient der Herstellung von Unabhängigkeit in der Gemeinschaft.

Wenn aber Geld nicht mehr Mittel, sondern Zweck des Handelns ist, dann kommt es zur Gelderwerbskunst, der Tausch wird hier nicht zur Bedarfsdeckung betrieben oder um der Autarkie des Gesellschaft und des Staates willen, sondern um Reichtum anzuhäufen. Ein solches Verhalten betrachtet Aristoteles als unvernünftig und widernatürlich. „Denn da der Genuss in der Überfülle besteht, so suchen sie die Kunst, die die Überfülle des Genusses verschafft. Und wenn sie dies nicht durch die Erwerbskunst zustande bringen, so versuchen sie es auf anderen Wegen und benutzen dazu alle Fähigkeiten, aber gegen die Natur; denn die Tapferkeit soll nicht Geld verdienen, sondern Mut erzeugen, und auch die Feldherrnkunst und die Medizin sollen das nicht, sondern Sieg und Gesundheit verschaffen. Doch jene machen aus alle dem einen Gelderwerb, als ob dies das Ziel wäre, auf das hin alles gerichtet werden müsste.“

Nur wenn das erarbeitete Geld nicht mehr zur Bedarfsdeckung reicht? Rentner, Hartz-IV-Familien und zunehmend auch Normalverdienenende verzweifeln angesichts steigender Lebensmittel-, Strom-, Gas- und Benzinpreisen. Sie fragen sich immer öfter, wie sie alles bezahlen sollen, wenn die Krankenkasse und die Miete für die Wohnung teurer werden, und sie immer mehr Medikament selbst bezahlen müssen.

Viele Kinder sehen ihre Eltern nicht mehr, da sie in mehreren Jobs arbeiten, um sie zu ernähren. Und die Arbeitgeber, gebeutelt von der Globalisierung, müssen „Zähne knirschend“ Lohnkürzungen vornehmen und wenn das nicht möglich ist, das zu erledigende Arbeitspensum so sehr zu verdichten, dass es letztlich keinen Unterschied mehr macht.

Und am Ende der Arbeitnehmerbiographie steht die Rente. Sie bilanziert dieses Erwerbsleben. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist heute bekannt, dass vor allem die heute 40-Jährigen im Durchschnitt weniger als 600 Euro im Monat an Rente beziehen werden. Damit liegen sie unter dem Satz der Grundsicherung. Wenn jetzt noch die Eltern dieses Personenkreises pflege-, sozialhilfe oder unterhaltsbedürftig werden …?

Die Geldmenge hat sich seit 1998 mehr als verdoppelt, im gleichen Zeitraum hat sich die Bevölkerung Deutschlands um 0,2 % abgenommen. Es sollte also genügend Geld im System vorhanden sein, oder hat Karl Marx mit seiner Kapitalismuskritik doch recht behalten: … „in seinem Hauptwerk, betont Marx vor allem den ausbeuterischen Charakter des Kapitalismus. Der Kapitalist vermehre sein Kapital durch die Ausbeutung fremder Arbeitskraft, da er dem Lohnarbeiter nur einen Teil des vom Arbeiter geschaffenen Wertes vergüte. Einen großen Teil des vom Arbeiter geschaffenen Wertes streiche der Kapitalist dagegen als Mehrwert ein, aus dem er seinen Profit schöpfe. Statt mit dem Fortschritt der Industrie seine Lage zu verbessern, werde der Arbeiter so zum Pauper, es komme zu einer allgemeinen Verarmung.“

(Mit der Begrifflichkeit Pauperismus bezeichnet man die strukturell bedingte, längerfristige Armut weiter Teile der Bevölkerung)

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